13
August
2014

Amerika at its best! - Von Chicago nach New Orleans

10. Tag
Früh brechen wir zu unserer nächsten Destination auf. Wir treffen einen Vertreter des Tourist Office von Houma, der schon ein Programm für uns zusammengestellt hat. Leider hat er die Swamptour – eine Fahrt mit einem flachen Boot durch die Sümpfe und Bayous – gestrichen, weil er meinte, dass hätten wir doch längst gemacht. Noch was, auf das ich mich beim nächsten Besuch freuen kann!
Aber sonst hat er und Houma und Umgebung noch einiges zu bieten. Wir machen einen Abstecher zur Ardoyne Plantation in Schriever, wo wir von der Besitzerin persönlich durch das Anwesen geführt werden. Ardoyne Plantation ist eines der Anwesen, die noch gänzlich in privater Hand geblieben sind und inzwischen seit der Fertigstellung im Jahre 1898 von der sechsten Generation verwaltet wird. Die Familie hat ziemlich berühmte Wurzeln, die über Robert E. Lee bis zu George Washington reichen. Auch diente dieses weiße „Zuckerbäckerhaus“ schon mehrfach als Filmkulisse.

Wieder zurück in der Gegenwart, besuchten wir als nächstes die „Greenwood Gator Farm“ (http://www.greenwoodgatorfarm.com) in Gibson. Hier sind wir nicht in Disneyland oder im Zoo, sondern auf einer veritablen Farm, wo Alligatoren gezüchtet werden, nicht nur um sie Touristen zu präsentieren, sondern um mit ihrem Fleisch und ihrer Haut auch seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der sehr engagierte Besitzer führte mit dieser Farm den Traum seines Vaters fort und wird von seiner Frau dabei tatkräftig unterstützt. Da ich im Vorfeld doch heftige Bedenken gegen diesen Platz und seine Bestimmung hatte, war es außerordentlich hilfreich, dass es eine sehr ausführliche Führung gab, auf der ich lernen konnte, wie von den in den Swamps aufgesammelten Eiern in der Farm dann die Alligatoren aufgezogen werden und wie vielfältig und dem Naturschutz Rechnung tragend die Auflagen sind, die sich sowohl die Züchter selbst gegeben haben, als auch die von der Regierung und der Naturschutzbehörde vorgegeben werden. So wird zum Beispiel etwa ein Fünftel der aus den Eiern geschlüpften Alligatoren wieder in den Sümpfen ausgesetzt, nicht ohne sie davor mit einem „Tag“ zu markieren. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich auch ein Alligatorenbaby in die Arme nehmen können, aber das habe ich lieber den viel mutigeren Kindern überlassen. Hier habe ich auch erfahren, dass nicht nur in Louisiana Alligatorenfleisch eine sehr beliebte Delikatesse ist. (Ich verzichte trotzdem lieber darauf) Und die Haut kann ich als Touristin auch nicht mit nach Hause nehmen (will ich aber auch nicht!) Dennoch hat sich mein Vorurteil und meine Unwissenheit jetzt in Verständnis gewandelt. Ist Alligatorenzucht denn so was anderes als Rinder- oder Schweine- oder Geflügelzucht?

Da wir also keine Gatorwurst gegessen hatten, ging es zum Dinner zu „Christiano’s“ (http://cristianoristorante.comin Houma. Ein italienisches Restaurant, das aber wie die meisten guten Restaurants selbstverständlich Cross Over Küche anbietet und uns wieder mal den Süden schmecken lässt. Ich sage nur: Crawfish-Etouffé, Gaspacho und wieder mal ein wunderbarer amerikanischer Wein. Zur Übernachtung gibt es für mich mal wieder eine Überraschung.
Wir fahren zur Twelve Oaks Plantation (http://twelveoaksplantation.com), die heute ein Bed & Breakfast beherbergt und somit auch uns für diese Nacht. Wir kommen gleichzeitig mit einem Hochzeitspaar dort an, das seine erste wichtige Nacht dort verbringen möchte. Die Damen des Hauses, Mutter und Tochter, begrüßen uns auf Herzlichste und – schon mal vorweggenommen – als wir am nächsten Morgen abfahren, kennen wir nahezu die komplette Familiengeschichte. Das ist allerdings, je weiter man in den Süden kommt, nichts Ungewöhnliches. Es ist spät und wir gehen gleich in unsere kuscheligen superweichen Betten, um am nächsten Morgen vom Kaffeeduft und einem opulenten Frühstück begrüßt zu werden, das uns und dem leicht errötenden Brautpaar von den Southern Belles persönlich serviert wird. Teil 2 der Familiengeschichte wird dabei gleich mitgeliefert. Jetzt sind wir neugierig auf die anderen Plantations geworden und wollen auch noch mehr über die Geschichte, auch die der Sklaverei, erfahren. Unser Abstecher zur Laura Plantation, eine der wenigen erhaltenen Creole Plantations, ist leider erfolglos, da wegen Renovierungsarbeiten? Oder wegen Ostern? Das Tor verschlossen blieb. So konnten wir nur einen strohbehuteten Gärtner sowie sein Objekt der Pflege betrachten.

Weiter geht’s zu unserem nächsten Event. Wir sind nämlich zum Osterbrunch in die Houma House Plantation (http://www.houmashouse.comeingeladen. Während ich mich umständlich im Auto schick mache, sehen wir schon diverse hochelegante in weißes oder cremefarbenes Leinen gewandete Herren und Damen in den verschiedensten eleganten Roben Richtung Eingang marschieren. Wieder eine Überraschung. Die Houma House Plantation gehört seit einigen Jahren einem sehr reichen, etwas exzentrischen aber äußerst liebenswürdigen Herrn, der es sich am heutigen Tage nicht nehmen lässt, seine Gäste persönlich nicht nur zu begrüßen, sondern sie mit warmen Worten auch bis an die für sie bestimmten Tische geleitet. Wo findet man wohl so etwas noch einmal? Denn es handelt sich hier nicht um 10-20 Gäste, sondern etwa um 100 bis 200 hungrige Menschen. Es würde zu lange dauern, das Buffet zu beschreiben. Nur ein kurzer Satz: die Köche verstanden ihr Handwerk vorzüglich und man konnte es wirklich nicht schaffen, alles zu probieren.
Der Verdauungsspaziergang, der nach der Schlemmerei dringend nötig war, führte uns zunächst in den grandios angelegten parkähnlichen Garten und anschließend durch das Herrenhaus. Nahezu alle Räume, selbst das Schlafzimmer des Hausherrn und sogar die Designer-Hochzeitsroben seiner zwei Hunde, waren zu besichtigen. Man muss wirklich sagen, dass der neue Besitzer mit viel Akribie und Sachverstand die ihm völlig leer übergebene Plantage wieder zu neuem Leben erweckt hat.

Author

Susanne

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